Markus Kolberg von der Strandküche

Interview mit Markus von der Strandküche

Markus Kolberg schnackt über seine "Strandküche" und gewährt euch einen Blick hinter die Kulissen seiner Manufaktur.

Markus, du machst jetzt schon seit über 10 Jahren Gewürze. Wie ist die Idee dazu entstanden und was hast du eigentlich vorher gemacht?

Nun, ich bin ja schon ein ticken älter 😉 und habe so allerhand in meinem Leben gemacht. Ursprünglich wollte ich etwas Kreatives, Handwerkliches machen, bin dann aber leider doch irgendwie ins Kaufmännische gerutscht, was mir nie wirklich gefallen hat. Und so habe ich immer die Augen offen gehalten nach Ideen und Lösungen. Die beste und letzte war, meine beiden Hobbies Segeln bzw. Reisen und das Kochen zu verbinden. Unterwegs lecker zu kochen, hat für mich etwas unglaublich entspanntes. Aber ich wollte es mir auch nicht schwerer machen als notwendig. Und so habe ich angefangen, mir meine eigenen unverzichtbaren Gewürzmischungen selber zu machen. Es gab sie einfach nicht so, wie ich es gerne hätte. Nicht in der Qualität und schon gar nicht in der Rezeptur. Und auch die Behältnisse fand ich immer doof. Diese Blech- oder Pappdosen funktionieren doch einfach nicht. Ja, und so habe ich das für mich geändert und die Reise begann.

Was macht dir besonders viel Spaß an deinem Job und was motiviert dich jeden Tag aufs Neue?

Da fange ich gerne mit der Motivation an. Mich motivieren am meisten meine Kunden!! Ich bekomme unfassbar viele tolle Rückmeldungen. Erst letzte Woche bekam ich ein Gedicht eines Kunden zugesandt, kannst du dir das vorstellen. Aber auch meine Familie, Freunde und vor allem meine tollen Mitarbeiter motivieren mich jeden Tag. Ich habe jetzt jeden Tag Freude daran, kreativ sein zu dürfen. Ob es leckere Rezepte oder Bilder oder Videos sind. Mittlerweile habe ich es gelernt, besser zu fotografieren und sogar die Videos selber zu schneiden.

Außerdem bin ich bei uns für den gesamten Internetauftritt und die Prozesse, die damit zusammen hängen verantwortlich. Das ist etwas, was ich aus meinem kaufmännischen Leben tatsächlich noch mitgenommen habe und was mir auch noch wirklich Spaß macht. 

Von der Garage zur eigenen Produktionshalle. Ein weiter Weg, oder? Was waren die wichtigsten Meilensteine in den letzten 10 Jahren für die Strandküche?

Oha, ja, was für ein Weg! Da muss ich kurz nachdenken. Also der erste Meilenstein war, dass ich mit Torben einen tollen Grafiker getroffen hatte, der mit mir die ersten Schritte gehen wollte. Von ihm stammt zum Beispiel auch das Logo.

Emotional sehr beeindruckend war auch der Moment, als ich meinen allerersten Händler ausgestattet hatte und persönlich erfahren durfte, wie meine Produkte in die Hände der Kunden wanderten.  Das war 2011 auf Mallorca. Einer der wichtigsten Meilensteine war sicherlich der jähe Absturz nach einem 5- jährigen Höhenflug mit dem Wunsch, letztlich das Projekt zu beenden. Was dann geschah, war einmal mehr sehr beeindruckend: Ich durfte nicht aufhören. Weder meine Familie noch meine Lieblingshändler wollten das zulassen.

Markus Kolberg - Strandküche

Und so kommen wir zum vorletzten Meilenstein. Ich habe alles analysiert und meine Möglichkeiten auf ein Neues in alle Richtungen gecheckt und bekam so die Chance, Nägel mit Köppen zu machen und aus meiner Garage auszuziehen und eine richtige Manufaktur aufzubauen. Und so habe ich dann die Strandküche zu meinem Hauptberuf gemacht. Das war 2018.

Und der letzte wichtige Punkt der Reise war nun im vergangenen Jahr, als ich endlich die passenden Mitarbeiter gefunden habe, die mit so viel Engagement und Freude jeden Tag produzieren, mischen, abfüllen, verpacken und versenden und nichts anderes mehr machen wollen.  

Mitarbeiterin der Strandküche

Apropos: Stell uns doch einmal dein Team  vor!

Gerne. Also, momentan sind wir zu viert bzw. schon fast zu fünft. Meine Aufgaben habe ich ja schon etwas erklärt. Zunächst ist also Dörthe dazu gekommen, um mir in der Produktion auszuhelfen. Sie ist unfassbar erfahren, hat jahrelang auch in unserer hier damals ansässigen Zuckerfabrik in der Analyse und Kontrolle gearbeitet. Glaub mir, Dörthe weiß alles über die chemische Zusammensetzung von Salzen und Zucker und ist unglaublich penibel. Nie könnte auch nur ein Zehntel zuviel oder zuwenig in einer Dose landen. Dörthe kocht für ihr Leben gerne und ihr sind Plastikfreiheit und ökologisch kontrollierte Produkte besonders wichtig. Dörthe kümmert sich heute auch noch um den Einkauf und den Wareneingang. Außerdem ist sie verantwortlich für die Auftragsbearbeitung. 

Damit sie das auch machen kann, haben wir glücklicherweise Julia gefunden. Julia ist eine Anpackerin, kann nicht nichts tun und findet immer eine Lösung. Sie mischt, mahlt, füllt ab. Julia ist per Du mit der Etikettiermaschine und packt die Versandpakete. Und zur Not erzählt sie auch noch jedem, wo sie so arbeitet und findet auf diesem Weg neue Händler.

Und jetzt kommt gerade noch Sandra dazu. Sie macht die Buchhaltung. Und sie kann das, mein lieber Scholli. Was haben wir da nicht alles versäumt in den letzten Jahren. Sandra hat 30 Jahre Berufserfahrung in Steuerberatungen, in Konzernen und Startups. Die weiß, was sie tut, kommt glücklicherweise aus unserem Dorf, hat Zeit und ist wie wir alle Fan der Strandküchen-Idee. Denn darüber haben wir uns zufälligerweise kennen gelernt. Sie ist mit ihrem Mann viel mit ihrem Wohnmobil unterwegs.

Und dann ist da noch Jerry, den ich vor 8 oder 9 Jahren in meiner Funktion als Jugendwart unseres Segelclubs kennen gelernt hatte. Damals mit 16 oder 17 war Jerry schon kochbegeistert. Heute hilft er mir bei meinen Aufgaben im Bereich der Sozialen Medien und im Aufspüren von neuen  Handelsbeziehungen.

Seine Art zu kochen ist mittlerweile einzigartig und legendär. Nicht nur einmal wurde ihm schon geraten, doch ein Restaurant zu eröffnen. 

Thema Nachhaltigkeit: Was liegt dir und der Strandküche besonders am Herzen?

Mir liegt besonders am Herzen, dass niemand, der in meine Prozesse eingegliedert ist, unfair behandelt wird. Das sind die Produzenten, Händler und natürlich die Bauern. Aber auch die Mitarbeiter oder natürlich und vor allem unsere Kunden.

Ich beziehe das natürlich auch auf unsere Umwelt. Wie schaffen wir es, dass wir unsere Umwelt trotz unseres Handelns fair behandeln. Dass wir nicht mehr nehmen, als wir geben. So hinterfrage ich immer wieder unsere Prozesse. Bereichern wir uns auf unfaire Weise? Sind wir gerecht? Oder sind wir gierig?

Wenn ich diese Fragen für mich befriedigend beantworten kann, dann handele ich auch nachhaltig! Ich mag nicht das Wort „Nachhaltigkeit“ als Werbe-Worthülse. Ebenso geht es mir mit dem Wort „Bio“. Das, was uns heute als „nachhaltig“ und „bio“ verkauft wird, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Aber konkret ist es mir wichtig, dass ich Produzenten und Bauern vorzugsweise aus Deutschland und Europa wähle und dass ich verstehe, was wie hergestellt wird. Aber auch bei Zutaten aus fernen Ländern kann ich darauf achten, dass zum Beispiel der Pfeffer nicht aus den großen Plantagen stammt, sondern fair von den Ureinwohnern geerntet wird. Oder nehmen wir die Vanille. Hier habe ich einen französischen Lieferanten gefunden, der durch den direkten Kontakt mit den Familien in Madagaskar sicherstellen kann, dass sie nicht von der thailändischen Vanillemafia kontrolliert werden.      

Du hast bewusst nur 6 Gewürze im Angebot. Was steckt dahinter und was ist das Besondere an deinen Produkten?

Nun, die Idee war ja für mich, mir das Kochen einfacher zu machen. Wenn ich aber bei mir in der Bordküche auf meinem Schiff die ganzen Einzelkräuter und Gewürze … so war das früher … immer mitnahm, vergaß ich immer wieder etwas oder genau das richtige war gerade nicht da. Und am Ende schmeckt das Essen nicht so, wie ich es wollte. Auch habe ich keine Lust für Bratkartoffeln, Rührei oder Tomaten jeweils unterschiedliche Gewürzmischungen in der Schublade vergammeln zu lassen. So machen es aber die großen Marken. Aus Marketing-Aspekten liefern sie regelmäßig neue Mischungen. Oft ohne Sinn und Verstand. Und wenn ich regelmäßig mal eines meiner Mitbewerber ausprobiere, dann weiß ich, dass wir das schon verdammt gut machen. Halleluja, was für ein Unterschied.  

Also, du hörst es schon heraus. Das Besondere ist das Konzept. 6 Gewürzmischungen in 6 zueinander passenden Richtungen machen das Kochen definitiv einfacher. Die werden auch nicht alt. Wenn du sie geschickt miteinander kombinierst, kannst du fast alle Gerichte dieser Welt damit würzen. Und mein Qualitätsanspruch ist dazu verdammt hoch!

Wie entsteht eigentlich ein Strandküche-Gewürz von der Idee bis zur Rezeptur?

Das kann ich vielleicht einmal an der Mischung ULVA, die ich mal im Zusammenhang für ein Buchprojekt als Sonderedition, entwickelt habe, beschreiben. Am Anfang steht die Idee. Hier war es, ein brillantes Fischgewürz zu entwickeln. Dazu schwirrt mir ein Bild von Geschmack vor Augen bzw. im Gaumen. Ich wollte den Geschmack einer Art lateinamerikanischen Salsa mit viel frischem Koriander und Minze passend zu Fisch zaubern. Zitronig und scharf sollte sie auch noch sein. Also baue ich dann in meiner Küche meinen Laptop mit meinen Zutaten-Tabellen auf und messe akribisch jede Zutat bei jedem Schritt ab. Alles wird haargenau notiert und protokolliert. Geschmeckt, getestet, verworfen, verfeinert. Hiervon noch ein bisschen, davon doch ein wenig mehr. Mit den Ergebnissen wird dann gekocht und weiter verfeinert. Meine Familie und Freunde sind dann die ersten Probanden, deren Meinung mir immer sehr wichtig ist. Glücklicherweise scheine ich ein Talent für Gewürzkombinationen zu haben. So bin ich dann relativ bald am Endergebnis dran. In diesem Fall war es dann eine wirklich fantastisch gelungene und beliebte Mischung mit unter anderem vielen Korianderblättern, Zitronenminze, Rosmarin und Estragon.    

Wo kommen deine Zutaten her und worauf achtest du bei der Auswahl?

Grundsätzlich beziehe ich meine Zutaten über Händler in Deutschland. Ich bin leider noch viel zu klein, um direkt mit den Bauern in Kontakt zu treten. Das ist aber einer meine größten Wünsche.

Also achte ich darauf, wie zuverlässig und vertrauenswürdig meine Händler – mitunter sind die auf wenige Zutaten spezialisiert – mir darlegen können, wo und wie die Gewürze oder Kräuter angebaut werden. Und dann testen wir natürlich regelmäßig die Qualität und vergleichen auch immer wieder, um zu sehen, ob es nicht doch etwas Besseres gibt.

Markus Kolberg an der Etikettiermaschine

Ist in der ganzen Zeit mal etwas gründlich schiefgelaufen?

Oja natürlich!! Das größte Desaster überhaupt war, dass ich gleich zu Beginn alles super vorbereitet hatte. Ich hatte mit der Firma Heuschrecke und Herrn Gasper ein Unternehmen gefunden, das mir genau meine Rezepturen auch noch in der besten Qualität und bio herstellen konnte und auch noch abfüllen würde. Also haben wir alle Dosen und Etiketten nach Köln verfrachtet und ich war gespannt wie Bolle, weil es nun endlich losgehen würde.

Und dann kam der Anruf: Die Etiketten würden nicht kleben. Ich habe das gar nicht verstanden, ich hatte das doch geprüft. Aber nach einiger Zeit würden sich die Enden wieder lösen. Neue Etiketten waren nicht drin. Ich hatte meinen letzten Groschen für zigtausend Etiketten und Dosen ausgegeben. … Und nun? Letztlich habe ich bis zum Neustart 2018 jede einzelne Dose selber etikettiert und mit einer Extrabehandlung dafür gesorgt, dass die Etiketten hielten. Seit 2018 haben wir ein neues Branding, professionelle Etiketten und hurra: Eine Etikettiermaschine. Das war mir nach all der Zeit des selber Klebens besonders wichtig.

Wie ich dich kenne, hast du schon den Kopf voller Ideen für das neue Jahr. Was planst du für dieses Jahr?

Natürlich, aber so ganz will ich die Katze noch nicht aus dem Sack holen. Ich arbeite an weiteren Gewürzreihen, die es unseren Kunden erleichtern werden, sich eines ganz neuen Kochthemas zu nähern. Ziel soll es wie immer sein, mit wenigen Gewürzmischungen ein breites Spektrum abzudecken und das Kochen mehr zu vereinfachen, als es komplizierter zu machen.

Außerdem sind ergänzende Produkte geplant. Ich würde gerne die besten Nudeln aus Urweizen anbieten oder auch wieder ein Olivenöl. Und es ist eine Kooperation mit einem wirklich sehr intelligenten Grillanbieter geplant. Da dürfen sich alle drauf freuen.

Verrätst du uns zum Schluss noch dein Lieblingsrezept?

Ganz ehrlich? Spaghetti aglio e olio mit viel frischem Parmesan. Vielleicht verfeinert mit angerösteten Walnüssen und noch mit dem einen oder anderen, was gerade so da ist. Ein paar Zitronenspritzer drauf, fertig. Das könnte ich mit einem Glas Rotwein jeden Tag zu mir nehmen. 

Auch hier ist es natürlich wichtig, gute Zutaten zu nehmen. Also wirklich exzellentes natives Olivenöl, guten Parmesan und frischen Knoblauch. Ich selber würze das übrigens ausschließlich mit meiner Kräuter-Gewürzmischung Anholt!

Vielen Dank, Markus, für die Einblicke in deine Manufaktur!

Teller mit Pasta aglio e olio mit Chili

Pasta aglio e olio

Du willst schon los?

Lass uns in Kontakt bleiben! In unserem Newsletter findest du:

neue Manufakturen

tolle Produkte

leckere Rezepte

Spannendes rund um Genuss

Cookie Consent Banner von Real Cookie Banner