Melanie Witte von den Heideschwaben

Interview mit Melanie von den HeideSchwaben

Melanie Witte löst das Rätsel, wie Maultaschen in die Lüneburger Heide kommen!

Heide und Schwaben klingt spannend! Wie kamst du darauf, deine Manufaktur zu gründen und was hat es mit dem Namen auf sich?

Alles begann damit, dass mein damaliger Freund (ein Schwabe) und ich uns während Corona gegenseitig mit Maultaschen aus dem Schwabenland und Eierlikör aus der Heide versorgten. Ich merkte schnell, wie viele Exil-Schwaben im Norden wohnen und ihre geliebten Maultaschen vermissen. Und so langsam reifte die Idee, sich mit einer Maultaschen-Manufaktur im Norden selbstständig zu machen. Gesagt, getan! Mein damaliger Partner war für die Produktion zuständig und ich war das Gesicht der Marke und für Marketing und Vertrieb verantwortlich. Eine Bekannte kam auf den Namen „HeideSchwaben“. Das ist fast genau zwei Jahre her. Unser erster Vertriebspartner war im Februar 2021 Eickhoffs Hofladen und dann nahm alles seinen Lauf.

Inzwischen wuppe ich die Manufaktur mit Unterstützung meiner guten Seele Edda allein. Die Suche nach einer passenden Produktionsküche war gar nicht so einfach. Im Oktober sprach ich dann meine Stamm-Metzgerei Pröhl an, ob ich vorübergehend ihre Küche mit nutzen konnte. Gott sei Dank haben sie zugesagt und ich konnte etwas Zeit überbrücken. Zu Weihnachten haben sie mir dann das schönste Geschenk gemacht: Ab Januar durfte ich jeden zweiten Montag in ihrer Küche meine Maultaschen produzieren. Und seitdem stehen mir Jens und Ilka mit Rat und Tat und ganz viel Herz zur Seite!

Was macht deine Maultaschen so besonders?

Das Wichtigste zuerst: Sie sind mit ganz viel Liebe von Hand gemacht und verdammt lecker!

Außerdem haben wir für jeden das richtige Produkt. Wenn du selbst gerne am Herd stehst, sind unsere vakuumierten Maultaschen das Richtige für dich. Mit ihnen kannst du selbst ein großartiges Gericht zaubern und kreativ sein. Für alle, die es eilig haben oder mal eben z.B. im Homeoffice etwas Schnelles für die Mittagspause brauchen, eignen sich unsere Maultaschen im Glas mit den leckeren Saucen. Einfach öffnen, warm machen und schon fertig! So kann man sich ein hochwertiges und gesundes Essen gönnen, wenn es mal schnell gehen muss.

Unser Maultaschen-Teig kommt übrigens original aus dem Schwabenland. Sonst dürften wir unsere Maultaschen nicht Maultaschen nennen. Demnächst gibt es dann auch einen veganen Teig!

Heideschwaben - Maultaschen im Glas

Was ist dir bei der Produktion wichtig?

Ich lege besonderen Wert auf gute und hochwertige Zutaten. Wir verwenden keine Zusatzstoffe oder Bindemittel. Das ist mir wichtig!

Und ein großes Thema bei uns: regionale Zutaten! Wenn ich wählen müsste zwischen bio und regional, würde ich mich immer für regional entscheiden. Ich habe gern einen persönlichen Kontakt zu meinen Lieferanten und freue mich, wenn z.B. die Tiere bei meinen Besuchen vor Ort friedlich auf der Weide grasen und nachhaltig gehalten werden.

heideschwaben-burgerstand

Bei dir hat sich im letzten Jahr einiges getan. Neue Sorten, neue Verpackung, Crowdfunding und noch vieles mehr. Erzähl doch mal!

Ja, im Februar ist es mit der Einführung unserer Gläser richtig losgegangen. Dadurch habe ich viel mehr Planungssicherheit bekommen und die Flexibilität in der Produktion ist deutlich gestiegen.

Das war dann der Startschuss für den Ausbau unseres Vertriebsnetzes und ich konnte größere Kunden wie das Heide-Museum in Wilsede gewinnen. Und eine neue Website gibt es inzwischen auch!

Unsere Produkte haben wir uns mit unseren Saison-Sorten (Grünkohl und Bregenwurst in der Winter-Variante und Pulled Pork für den Sommer) weiterentwickelt.

Ach ja, ganz aktuell: In diesem August bin ich jedes Wochenende mit meinem Burgerstand auf dem OpenAir Metronom Sommertheater und biete Maultaschen-Burger, Heidschnucken-Bratwürste und Eis an. Das ist eine vollkommen neue Erfahrung und macht mir viel Spaß, obwohl der Verkauf kaum planbar ist. Der Kontakt zu meinen Kunden tut mir sehr gut. Wir sehen gleich, ob es ihnen schmeckt, und bekommen ein tolles Feedback!

Und wie ich dich kenne, hast du schon wieder ganz viele Ideen, oder? Was planst du für die nächsten Monate?

Du hast Recht: Mein Kopf steckt schon wieder voller spannender Ideen! Im Moment bastele ich gerade an einer HeideSchwaben Hochzeitssuppe mit kleinen Maultaschen und einer neuen Wildvariante. Und dann starten wir im September wieder eine Crowd-Funding-Aktion. Diesmal sammeln wir für eine Tiefkühlzelle und einen Schockfroster.

Hast du schon unser Video mit „Profi Derek“ auf YouTube gesehen? Da ist gerade noch ein weiteres in der Planung. Und vielleicht erfülle ich mir ja bald meinen Traum von einem eigenen Kochbuch!

Apropos neue Sorten: Wie entsteht eigentlich so ein neues Produkt von der ersten Idee bis zum fertigen Produkt?

Meistens ist es so, dass ich eine Grundzutat wie z.B.  Heidschnucke im Kopf habe und dann überlege, welche anderen Zutaten, Gewürze und Soßen gut dazu passen würden. Dann experimentieren wir in der Küche etwas herum, produzieren verschiedene Varianten, probieren und tasten uns so lange heran, bis alles passt. Neue Sorten werden gerne mal mit Familie und Freunden getestet, um ihr Feedback zu bekommen.

Es gibt aber auch Ausnahmen! Bei der Entstehung unserer Schnucken mit Rotwein-Preiselbeer-Soße standen wir gerade beim Experimentieren in der Küche und haben gleichzeitig an einer Wild-Variante herumgedoktert. Der Rotwein sollte eigentlich zum Wild, ist aber aus Versehen im falschen Topf bei der Preiselbeer-Soße gelandet. Das hat uns am Ende so gut geschmeckt, dass wir es einfach beibehalten haben!

Oder nehmen wir die Entstehung der Grünkohl-Bregenwurst-Variante. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht, den Norden für Maultaschen zu begeistern. Gleichzeitig wollte ich aber meinen schwäbischen Freunden etwas aus dem Norden näherbringen: Grünkohl mit Bregenwurst. Und wie macht man das bei einem Schwaben am besten? Man „versteckt“ es in einer Maultasche! Die neue Variation ist dann so gut angekommen, dass wir sie für den Winter mit in Programm aufgenommen haben. Das schrie quasi nach einem typischen Sommer-Produkt und daraus entstanden unsere Pulled Pork-Maultaschen.

melanie-witte-heideschwaben

Du arbeitest Vollzeit in einer Bank und hast „nebenbei“ noch deine Manufaktur. Wie schaffst du es, Job, Manufaktur und Freizeit unter einen Hut zu bringen? Verrat uns dein Geheimnis!

Ich glaube, ich habe insgesamt ein recht hohes Stresslevel. Mein Motto ist: „Keine Zeit gibt es nicht, es gibt nur die falschen Prioritäten!“ Die Arbeit in der Manufaktur ersetzt mein Hobby und es macht so viel Spaß und entschädigt für vieles.

Trotzdem ist es wichtig, immer gut auf sich selbst zu achten und Pausen einzulegen, wenn es einem zu viel wird. Jeder hat kleine „Fluchten“, wo er sich erholen kann. Auch ich nehme mir immer wieder kleine und auch größere Auszeiten, um komplett abzuschalten.  

Stimmt: Du reist ja sehr gerne! Hast du ein Reiseziel, das dich kulinarisch besonders reizt?

Ja, ich werde richtig hibbelig, wenn ich nicht regelmäßig auf Reisen gehe. Und das, obwohl ich früher das Heimwehkind schlechthin war. Vor allem während des Lockdowns habe ich gemerkt, wie wichtig das Reisen für mich ist. Am liebsten mache ich Kreuzfahrten: Da kann ich so richtig abschalten und das ein oder andere gute Buch lesen. Das geht im Alltag leider oft unter.

Kulinarisch reizt mich alles Deftige. Knödel stehen ganz oben auf meiner Liste der Lieblingsessen. Aber auch für ein leckeres belegtes Brot mit Hausmacher-Wurst vom Fleischer bin ich immer zu haben. Spannende Reiseziele wären also zum Beispiel Österreich und natürlich Süddeutschland.

Die aktuelle Krise ist in aller Munde. Euch kleine Manufakturen trifft es gleich mehrfach. Kostensteigerungen auf der einen Seite, rückläufiger Umsatz durch das veränderte Kaufverhalten auf der anderen Seite. Was sind gerade deine größten Herausforderungen und wie gehst du damit um?

Die gestiegenen Preise sind schon eine große Herausforderung für uns Manufakturen. Das fängt bei den Sprit- und Energiekosten an, geht über die Verpackungen wie Gläser und Deckel und hört bei den Zutaten auf. Der Preis für unsere Schnucken hat sich zum Beispiel verdoppelt! Dazu kommt, dass unsere Kunden zunehmend preissensibler werden und wir immer mehr Diskussionen über die Preise führen. Bisher musste ich die Preise noch nicht erhöhen, aber ich bin gespannt, wie sich die Lage weiterentwickelt. Was mir an der Stelle hilft, sind Einkaufs-Kooperationen mit anderen Partnern, um günstigere Einkaufspreise aufgrund der höheren Menge zu erhalten.

Außerdem sind manche Zutaten inzwischen schwerer zu bekommen. Selbst so scheinbar alltägliche Produkte wie Suppengemüse in einer guten Qualität sind an manchen Tagen Mangelware.    

Eine zusätzliche Belastung ist aus meiner Sicht der neue Mindestlohn. In einigen Berufen ist der Verdienst viel zu gering, nehmen wir einmal die Pflegeberufe. Eine Erhöhung der Löhne für Minijobs oder Aushilfen ist für kleine Unternehmen wie uns aber auch eine große Herausforderung, die ohne zusätzliche Preiserhöhung nicht zu bewältigen ist. Den ein oder anderen von uns wird es sicherlich in die Knie zwingen.

Verrätst du uns zum Schluss noch dein Lieblingsrezept?

Bei mir muss es immer einfach, schnell und ohne viel Aufwand gehen. Ich koche zwar auch ab und zu kompliziertere Gerichte, aber das ist eher die Ausnahme. Eins meiner Lieblingsrezepte ist ein Familien-Rezept, das nicht einmal einen richtigen Namen hat. Wir nennen es in der Familie immer „Bohnen mit Brühwurst“ und es kommt gerade jetzt in der Bohnenzeit häufiger auf den Tisch.

Und so geht es:  Grüne Bohnen in Wasser kochen. Brühwurst (= Fleischwurst) in kleine Stücke schneiden und in etwas Öl anbraten. Die Bohnen und eine Dose Tomaten dazugeben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und einmal aufkochen lassen. Fertig! Salzkartoffeln sind eine tolle Beilage dazu.

Bohnen mit Brühwurst

Vielen Dank für deine Zeit, Melanie!

 

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